Mitglied des Deutschen Ethikrats erläutert Chancen und Grenzen

Differenzierte Betrachtung der Gen-Schere CRISPR-Cas 9

Können wir den genetisch perfekten Menschen schaffen, oder „pfuschen wir Gott ins Handwerk“, wenn wir im Gen-Gut schnippeln? Das war die zentrale Frage bei einer Veranstaltung über ethische Aspekte der Gen-Schere CRISPR-Cas 9. Hinter dem Begriff „CRISPR-Cas 9“ verbirgt sich eine Methode in der Gentechnik, die die gezielte Entfernung von defektem menschlichen Erbgut oder dessen Änderung verheißt.

Den Heilungschancen schwerer Erbkrankheiten wie z.B. Mukoviszidose oder Muskeldystrophie durch das Gene-Editing-Verfahren CRISP-Cas 9 stehen insbesondere bei Eingriffen in die Keimzellen schwer abschätzbare Folgen für die nachfolgenden Generationen gegenüber. Ende 2016 wurde diese Methode in China erstmals am Menschen eingesetzt.

Als Mitglied des Deutschen Ethikrats erläuterte Professor Dr. Franz-Josef Bormann in seinem spannenden, informativen und anschaulichen Vortrag nicht nur Chancen und Risiken des Verfahrens CRISPR-Cas, sondern wog aus ethischer Perspektive differenziert unterschiedliche Argumente ab. Damit wollte er einerseits einen „Hype“ über den therapeutischen Nutzen der neuen Technik  und andererseits Befürchtungen vermeiden. Er betonte, dass es bislang kaum sinnvolle Anwendungsgebiete gebe, bei denen man das sogenannte „Gene Editing“ einsetzen könne.
Der Referent griff verschiedene Aspekte des Themas auf. So forderte er unter anderem Wissenschaftler auf, eine Sprache zu vermeiden, die etwa zu sehr auf mögliche, aber noch unrealistische Heilungschancen hinweise; stattdessen sollten sie sich um transparente Darstellung von Forschungsergebnissen bemühen. Auch warb er dafür, in Forschungsprojekten auf nicht entwicklungsfähige Embryonen zuzugreifen.

Aus der kirchlichen Instruktion „dignitatis humanae“ (2008) leitete Bormann ab, dass die Verhältnismäßigkeit in Bezug auf die Gefährdung der Gesundheit des Patienten gewahrt bleiben müsse. Den Einsatz der Keimbahntherapie – die mit Hilfe von Verfahren künstlicher Befruchtung bereits Mutationen in der Ei- und Samenzelle genetisch verändern kann – sieht er auf der Grundlage der kirchlichen Verlautbarung „zum gegenwärtigen Zeitpunkt“ nicht verantwortbar. Die Formulierung lasse jedoch auf eine prinzipielle Offenheit schließen, da sie gentechnische Veränderungen zum Wohle des Menschen nicht von vorn herein ausschließt.  Ein kategorisches Verbot für den therapeutischen Gebrauch bei Keimbahn-Interventionen sei auch aus theologisch-ethischer Sicht nicht zu begründen.

Im Bereich des Enhancement – im Sinne von: den Menschen „verbessern“ – wäre der Einsatz der „Gen-Schere“ zur „besten denkbaren Version meiner selbst“ (Kluxen) überlegenswert, so Bormann.  Wenngleich im Hinblick auf Enhancement noch manches realitätsfern klinge, gebe es auch Einsatzmöglichkeiten wie etwa der Einfluss auf Alterungsprozesse, die eine rege Forschungsaktivität hervorgerufen haben. Dies führe aber auch zu der Frage, welche Eigenschaften überhaupt erstrebenswert sind, und was moralisch zu regeln sei.

Ein weiterer Themenkomplex war das Recht oder gar die Pflicht von Eltern für eine „bestmögliche genetische Ausstattung des Nachwuchses“. Hier  warnte der Referent vor einem weit übersteigerten Freiheits- und Verantwortungsbegriff der Eltern.

Und so lautete sein Fazit am Ende: Es gibt Chancen zur Therapie monogenetischer Erkrankungen durch das Verfahren, die aus theologisch-ethischer Sicht ebenso wie ein moderates Enhancement nicht von vorne herein abgelehnt werden sollten. Die Forschung wie auch die Diskussionen seien aber noch bei weitem nicht abgeschlossen.

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