Leitungsworkshop im Projekt „Hospizkultur“ des Caritas-Verbands Speyer

„Sterben ist ein sozialer Prozess“

Die Caritas Betriebsträgergesellschaft Speyer hat das Projekt Hospizkultur in seinen stationären Einrichtungen eingeführt, um Kenntnisse, Haltungen und Rahmenbedingungen rund um das Thema Sterben und Tod weiter zu entwickeln und nachhaltig im Alltag zu implementieren. Dazu werden seit über einem Jahr viele Mitarbeitende geschult. Aber natürlich sind auch die Einrichtungsleitungen in diesen Prozess eingebunden.

So waren die Führungskräfte aus sechs Piloteinrichtungen des Trägers jetzt zu einem Leitungsworkshop eingeladen, bei dem es am ersten Seminartag um den Ansatz der „Palliativen Geriatrie“  und am zweiten Tag um Organisationsethik ging. Veranstalter war das Zentrum für Ethik, Führung und Organisationsentwicklung im Gesundheitswesen (zefog) im Heinrich Pesch Haus, das den Caritas-Verband in diesem Prozess von Anfang an begleitet und unterstützt.

Einer der Referenten dieser zweitägigen Veranstaltung war Dirk Müller, Leiter des Bereichs Hospiz und Palliative Geriatrie am Unionhilfswerk in Berlin. Er ist Vorsitzender der Fachgesellschaft Palliative Geriatrie und Vorsitzender des Hospiz- und Palliativverbandes Berlin und führte die Teilnehmenden in die Welt und Sichtweise der Palliativen Geriatrie ein. Eine seiner zentralen Aussagen lautete: „Palliative Geriatrie ist jeweils zur Hälfte Wissen und zur Hälfte Haltung.“ Er erinnerte an die Rahmenbedingungen, die für jeden Sterbenden von zentraler Bedeutung sind: Respektvolles und wertschätzendes Verhalten, Schmerzlinderung, Linderung quälender Symptome, Begleitung durch Nahestehende.

Mit Fragen der Organisationsethik setzte sich Prof. Klaus Wegleitner, tätig in der  Abteilung für Palliative Care und Organisationsethik am Institut für Pastoraltheologie und Pastoralpsychologie an der Karl-Franzens Universität Graz, auseinander. Sein Thema fokussierte unter anderem, was Einrichtungen an Wissen, Strukturen und Reflexionsräumen vorhalten sollten, damit die Versorgung von alten, chronisch kranken, demenziell veränderten, schwerkranken und sterbenden Menschen auch unter schwierigen Rahmenbedingungen gut gelingen kann.

Er betonte die Bedeutung der Einrichtung als „sorgende Organisation“ und verwies darauf, dass Sterben als ein sozialer Prozess anzusehen sei. Dabei gehe es um Beziehungen und Kommunikation zwischen den Sterbenden und ihrem sorgenden Umfeld, das aus Familie, Freunden, informellen und professionellen Helfern besteht. Sie seien zentral für das Erleben der letzten Lebensphase. Dabei seien medizinische und pflegerische Aspekte  nur Teile dieser Sorgebeziehungen – ein Mensch am Lebensende solle in allen Facetten seines Seins gesehen und ernst genommen werden.

Wegleitner thematisierte aber auch die aktuell gesellschafts- und gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen, die es schwierig machen, eine wahrhaft „sorgende Organisation“ zu sein. Und zwar sorgend mit Blick auf  die Bedürfnisse aller beteiligten Akteure, d.h. die der Pflegebedürftigen ebenso wie der Pflegenden. Es brauche dazu definitiv Zeiten und Orte, „an denen widersprüchliche Bedürfnisse und Zielsetzungen, Wertorientierungen, Machtfragen und weitere Widersprüche bearbeitet werden können.“ Sehr hilfreich könne dabei auch die Einbeziehung der Ethikberaterinnen und Ethikberater sein, die für die CBS ausgebildet wurden.

An den beiden Tagen hatten die Leitungskräfte trotz viel Input auch noch Zeit, das Gehörte untereinander zu diskutieren. Gemeinsam reflektierten sie, inwieweit  sie selbst im Alltag ihre Einrichtung als sorgend erleben. Sie fanden Zeichen der Hoffnung, wie etwa die gelingende Einbeziehung von An- und Zugehörigen, aber auch Zeichen des Zweifels, wie etwa die knappen Personalressourcen.

Rückblick und Ausblick

Seit der Kick-Off-Veranstaltung im Mai 2017 ist in den Einrichtungen viel geschehen und umgesetzt worden. In allen Einrichtungen fanden Kick-Off-Veranstaltungen statt, in denen das Projekt „Hospizkultur“ Projekt vorgestellt wurde. Darüber hinaus wurden alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Form von World-Cafés am laufenden Prozess beteiligt. Es wurden dabei wichtige Themen identifiziert, die vor Ort weiter bearbeitet oder in Fortbildungen aufgegriffen wurden. Bereits bestehende Kooperationen, z.B. mit den ambulanten Hospizdiensten werden ausgebaut und palliative Kompetenzen vor Ort gestärkt.

Die ersten Fortbildungen für Mitarbeitende der sechs Piloteinrichtungen fanden im April 2018 im Heinrich Pesch Haus statt. Die Fortbildungsinhalte zielen sowohl auf die Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner, als auch auf die der Mitarbeitenden ab. Ziel aller Fortbildungen ist die „(Weiter-) Entwicklung einer gewissen Haltung, zu der auch immer auch die Reflexion über das eigene Erleben gehört“, erklärt Birgit Meid-Kappner, Leiterin des zefog.  „Gute Kommunikation am Lebensende“ ist dabei ebenso von Bedeutung wie eine gute Selbstfürsorge der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die tagtäglich mit Sterben, Tod und Trauer konfrontiert sind.

Das Projekt Hospizkultur wird fortgesetzt – mit weiteren sieben Caritas-Altenzentren, so dass nun die gesamte Altenhilfe der CBS beteiligt ist – mit den Treffen der beiden Steuerungsgruppen für neu ins Projekt gekommene Einrichtungen sowie für die Piloteinrichtungen.

In diesem Jahr werden erneut Qualifizierungen durchgeführt:

  • ein Seminar zum Thema Seelsorge für Mitarbeiter*innen
  • ein dreitägiger Basiskurs
  • Gute Kommunikation am Lebensende

Auch der Leitungsworkshop für die Leitungskräfte des Folgeprojekts findet statt.

Die bisherigen hervorragenden Rückmeldungen zu allen Fortbildungen zeigen, wie notwendig es ist, das Fachpersonal in der Pflege zu stärken. Nicht nur durch die Vermittlung von Fortbildungsinhalten, sondern auch und vor allem mit Empathie und Wertschätzung.

  • Aktuelles

    Im September 2019 startete der  Kurs „Gesprächsbegleiter/in für die gesundheitliche Vorsorgeplanung für die letzte Lebensphase (§132g)“ neu. Die Ausbildung ermöglicht Mitarbeiter/innen der Alten- und Eingliederungshilfe ihren Bewohner/innen ein Gesprächsangebot für die letzte Lebensphase zu unterbreiten, das die Einrichtung mit der Gesetzlichen Krankenversicherung abrechnen kann.
    Rechtliche, ethische und auch medizinische Aspekte spielen beim Thema „Einwilligungsfähigkeit“ eine Rolle. Sie werden bei einem Follow-Up für Ethikberater*innen aus der ambulanten und stationären Medizin und Pflege am Donnerstag, 14.11.2019, behandelt.
    Das Projekt Hospizkultur in den Altenhilfe-Einrichtungen der CBS Speyer hat Fahrt aufgenommen. Sechs Piloteinrichtungen haben eine Rahmenkonzeption „Lebensbegleitung bis zuletzt“ zur Hospiz-, Sterbe- und Abschiedskultur in den Caritas-Altenzentren erarbeitet. Weitere Veranstaltungen sind bereits in Planung.    >> Mehr lesen
    Hintergründe und Berichte über unsere Fortbildungen und Veranstaltungen lesen Sie auf der Seite „Einblicke“.  
     
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