Ärzte, Pflegende und Theologen qualifizieren sich im zefog für die Ethikberatung im Krankenhaus und in der Altenhilfe

Ziel: Gut begründete Empfehlungen formulieren

Im modernen Klinikalltag müssen z.B. durch die Zunahme von Therapieoptionen Entscheidungen getroffen werden, bei denen nicht nur medizinische Fakten, sondern auch grundlegende ethische Werte in den Fokus rücken. In diese Entscheidungen sind viele Berufsgruppen involviert: Ärzte; Pflegende, Therapeuten, unter Umständen Seelsorger.Zu berücksichtigen ist dabei der erklärte oder häufig auch der sogenannte mutmaßliche Wille des Patienten. Was aber, wenn Arzt und Patient oder der Vertreter unterschiedlicher Auffassung sind, was gut ist?

Krankenhäuser richten zur Klärung dieser und weiterer Fragen Ethikkomitees ein und führen ethische Fallberatungen durch. Bereits zum vierten Mal hat das ZEFOG am Heinrich Pesch Haus dafür die „Qualifizierung Ethikberater/in im Gesundheitswesen“ durchgeführt. Zwölf Teilnehmende aus verschiedenen Professionen haben an den insgesamt vier mal zwei Tagen teilgenommen.

Solides Handwerkszeug zur Moderation von schwierigen Gesprächen

„Der Kurs bietet profundes Basiswissen der Ethik, unter anderem einen guten Überblick über die wesentlichen ethischen Fragestellungen sowie die medizinrechtlich relevanten Aspekte in Medizin und Pflege. Die Teilnehmenden erwerben damit solides Handwerkszeug, um schwierige Gespräche zu moderieren, die ethisch relevanten Aspekte eines Falles zu analysieren, Lösungsansätze zu erarbeiten sowie innerhalb der Beratung eine gut begründete Empfehlung zu formulieren“, erläutert Dr. Jonas Pavelka, Leiter des ZEFOG.

Auch im vierten Durchgang blieb das Curriculum, das sich an den Standards der Akademie für Ethik in der Medizin AEM orientiert, weitgehend unverändert. „Aber zugleich möchten wir die Qualifizierung immer wieder optimieren und weiter entwickeln“, so Pavelka. So gab es in diesem Kurs erstmals kommentierte Protokolle und Fallbesprechungen, die die Teilnehmenden als „Hausaufgabe“ angefertigt hatten. Jeder Teilnehmende führte eine simulierte Beratung durch.

„Wichtig ist, dass in der Ethikberatung eine Gemengelage aus verschiedenen Motivationen und Interessenslagen betrachtet werden muss“, betont Pavelka. Dies sind etwa die Möglichkeiten der modernen (Apparate-)Medizin und der unbedingte Wunsch nach Lebenserhaltung auf ärztlicher Seite, die erweiterten Möglichkeiten der Information und daraus resultierend das Einfordern von Mitbestimmung auf der Seite des Patienten sowie die unterschiedlichen Werthaltungen der Patienten im Krankenhaus. Hinzu kommen auch strukturelle Fragen innerhalb der Organisation „Krankenhaus“, die Einfluss auf Therapieentscheidungen nehmen können.

„Ziel der klinischen Ethikberatung ist es daher, ethische Problemlagen, die sich im Kontext der Patientenversorgung stellen, in kompetenter und lösungsorientierter Weise zu
reflektieren und zu bearbeiten“, erklärt der ZEFOG-Leiter.

Reflektierte und begründete Empfehlungen

Am Ende sind die Teilnehmenden dafür qualifiziert, Ethikberatungen zu moderieren und innerhalb der Beratungen eine gut reflektierte und begründete Empfehlung zu formulieren. Zudem sind sie in der Lage, Leitlinien und Empfehlungen für häufig wiederkehrende normative Fragestellungen  zu entwickeln und Fortbildungsbedarfe zu sichten.
Der nächste Kurs startet im September. Details finden Sie hier.